Soziale Projekte für Gambia e.V Rechtsanwältin Marika Bjick Ferdinand-Lassalle-Straße 18 04109 Leipzig Deutschland +49 341 213 19 79

Informationsbriefe

Es ist uns ein Bedürfnis, euch ein Bild der aktuellen Corona-Situation in Gambia zu geben. Es gleicht einem Puzzle, das wir aus verschiedenen Informationen, die bei uns "landen" zusammengetragen haben.

 

Die Zahlen der letzten Tage sind erschreckend. Während bei uns vieles im Griff zu sein scheint, läuft es in Gambia - so unser Gefühl - derzeit aus dem Ruder.

  • Der Präsident und die Regierung sind unter Quarantäne gestellt, nachdem der Vizepräsident positiv getestet wurde. Eine ordentliche Regierungsarbeit findet derzeit nicht statt.
  • Besucher von öffentlichen Einrichtungen werden nicht mehr eingelassen. 
  • Die deutsche Botschaft für Gambia, die in Dakar ansässig ist, ist nicht geöffnet .
  • Das Gesundheitssystem bricht zusammen. Nachdem einige des Personals positiv getestet wurden, wurden Krankenhäuser geschlossen.
  • Menschen, die positiv getestet werden, tauchen teilweise unter, weil sie sich schämen. Wo immer sie hingehen werden, sie werden andere in Gefahr bringen.
  • Zwar wurden die Tests in den letzten 8 Wochen verzehnfacht. Doch die ca. 5.000 sind immer noch zuwenig und wenn Kliniken geschlossen wurden, helfen die auch nicht. Die Dunkelziffer der Infizierten vermögen wir uns kaum vorzustellen.
  • Die Menschen müssen jeden Tag zu den Märkten gehen, da es traditionell keine Vorratshaltung gibt (aus Geld- und Haltbarkeitsgründen.
  • Die Schulen sind seit Mitte März geschlossen. Lediglich die Abschlussklassen wurden zur Prüfung zugelassen.
  • Die Regenzeit hat früher und heftiger als normal begonnen. Menschen ziehen es vor sich mit Verkehrsmitteln fortzubewegen, statt im Regen zu waten.
  • Zwar sind Versammlungen verboten, Hochzeiten und Namensgebungszeremonien finden im kleineren Rahmen statt, doch bei Todesfällen, "muss" man sein Beileid durch Anwesenheit bekunden. Und so reisen die Menschen in engen Buschtaxis weiterhin von A nach B.
  • In den Familien fühlt "man" sich sicher, isst weiterhin traditionell gemeinsam aus einer Schüssel mit der Hand. Doch womit die Angehörigen zuvor in Kontakt gekommen sind, vermag keiner nachzuvollziehen.
  • Ankommende Reisende werden am Flughafen direkt in Quarantänehotels gebracht und müssen dort 14 Tage unter Bewachung bleiben. Noch bezahlt der Staat die Kosten. Das soll sich aber ändern.
  • Völlig neu ist die Information, dass auf dem Weg von Berlin nach Gambia, Reisende in Brüssel "ausgemustert" werden. Nur Bürger von Gambia, Personen mit einem Residenznachweis und solche die einen Arbeitsnachweis in Gambia haben, können weiter fliegen. Die anderen müssen wieder zurück in ihr Herkunftsland. Und das ohne Hinweis beim Check-in in Berlin. Ohne Information auf der Seite von Brussels-Airlines.
  • FTI, die Gambia als günstiges Reiseland offerierten, halten sich bedeckt. Ein Krisenstab sei dabei zu prüfen, ob im Herbst wieder geflogen wird. Dabei erfahren wir aus Gambia, dass bereits alle Kontingente in und Anmietungen von Hotels bis Ende 2021 durch FTI aufgekündigt wurden.

Die Regierung erwägte einen totalen Lock-down. Doch so wie es sich für uns darstellt, gibt es derzeit weder eine funktionierende Legislative noch eine konsequente Exekutive.

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Hier eine aktuelle Grafik, was die Zahlen sagen:

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Was bedeutet das für uns?

Unsere finanziellen Mittel in Gambia, Gott sei Dank haben wir vorgesorgt, reichen noch gut über das Jahresende. So können wir weiterhin unsere Mitarbeiter und den Schulbetrieb, sollte er nach der Regenzeit wieder aufgenommen werden, bezahlen. Unsere Angestellten senden uns ihren aufrichtigen Dank dafür, denn sie erfahren von Verwandten, dass sehr viele seit Monaten überhaupt kein Geld mehr erhalten. 

 

Wir werden auf der Jahreshauptversammlung am 10. Oktober 2020 darüber sprechen, wie wir, für den Fall, dass keiner von uns in der nächsten Zeit mehr nach Gambia reisen kann, unsere Zusagen aufrecht erhalten werden.

 

Abschließend möchten wir euch allen mitteilen, wie dankbar wir sind, dass wir alle im Verein so gut zusammenhalten. Auch wenn viele von uns derzeit mit eigenen Problemen auf Grund dieser Krise zu kämpfen haben, stehen wir doch in der Verantwortung zusammen, in Zeiten der Not unseren Freunden in Gambia treu zur Seite zu stehen.

 

Meistert diese Zeit auf eure individuelle Art und bleibt vor allem gesund!

 

Mit besten Grüßen

- Der Vorstand - 

 

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